Wider dem Autopilot

Erwachsen werden ist an sich nicht schwer, da man es automatisch wird. Nur sagt einem keiner, wie es funktioniert. Beziehungsweise kriegt man in der Regel ungefragt ein Bouquet an Hinweisen umgeschnallt, wie man es denn machen solle, um einer Norm gerecht zu werden. Letztendlich sind all diese Hinweise gemessen am Weg, den man dann einschlägt, trivial. Aber bis man das erstmal begriffen hat und dann auch für sich selbst umsetzen kann, braucht man etwas Zeit und die damit einhergehenden Erfahrungen, die in der Natur der Sache begründet auch mal weh tun können.

Problematisch ist es nur, wenn man sich von den Hinweisen nicht abgrenzen kann, sie permanent in Gedanken spuken und in den denkbar unpassendsten Situationen den Menschen in ihrer ganzer Bosheit heimsuchen. Als kleine Reminiszenz daran, dass man es doch eh nicht packen wird und man doch vernünftig sein solle, man habe doch seine Rolle in der Gesellschaft zu spielen. Und schlimm ist es, wenn man diesen eingeimpften Selbstzweifeln dann erliegt und gar nicht den Raum für Neues schafft, damit man diese Muster durchbrechen kann.

So mancher Mensch meint mit permanenter Lebensplanung, durch Abgleich von Zielen und dem Stecken selbiger, gegen solche Dinge immun zu sein. Doch letztendlich befeuert das nur die Erwartungshaltung, die der domestizierte Homo Sapiens mit der Muttermilch aufsaugt. Wir müssen leisten, damit wir uns was leisten können. Aber dafür soll jeder bei seinem Leisten bleiben. Wie dressierte Affen bei der Nachmittagsvorführung im Zirkus, immer auf die Funktion gedrillt. Wie grenzt man sich davon ab? Wie schafft man es, die guten Dinge im Leben besser zu priorisieren und einfach mutiger zu sein? Und wie sagt man dem wichtigsten Menschen, wie viel er oder sie einem bedeutet, wenn einem dafür die Worte fehlen oder man gehemmt ist, es zu artikulieren?

Erwachsen werden ist nicht schwer. Aber es ist eben auch nicht einfach.

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